Podiumsdiskussion 
„Ernährung und Landwirtschaft“  

Prinz Max Festsaal Salem/Neufrach, 29. November 2022  

Krisen wie langfristig der Klimawandel und hoffentlich bald beendet der Krieg in der Ukraine haben die existenziellen Säulen unseres Lebens in den Vordergrund gerückt: Energie und Ernährung.

Mit beiden beschäftigen sich Arbeitskreise der MIT Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU im Bodenseekreis.


Sie hatte die Initiative ergriffen und eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Ernährung und Landwirtschaft“ im Prinz Max Festsaal in Salem-Neufrach veranstaltet. Folgen sollen öffentliche Einzelreferate zu spezifischen Themen der Landwirtschaft.

Foto f. Jehle Bilderläuterung siehe Text


Für das Podium hatte die MIT eine hochkarätige Besetzung gefunden (im Bild v.l.):


Kauf, Tankred Geschäftsführer Campo Verde GmbH
Knösel, Markus Öko-Landwirt Hofgut Rengoldshausen
Manfred Ehrle, Moderator früher Geschäftsführer Bauernverband Tettnang,
                         jetzt CDU Bezirks- und Kreis-Geschäftsführer Württemberg-                                           Hohenzollern/Bodensee
Dr. Gabele, Hermann Leiter Landwirtschaftsamt Landratsamt Bodenseekreis
Dr. Reiber, Christoph Geschäftsführung Demeter Landesverband BW
Mayer, Karl-Heinz Landwirt Burghöfe Owingen
Locher, Birgit Landwirtin Oberteuringen

Nach Vorstellung der KandidatInnen fragte Ehrle, ob der Klimawandel außer Risiken auch Chancen böte; dies wurde sogleich verneint und ersetzt durch „Herausforderungen“.

Die Landwirte haben ihre Werkbank im Freien, sind somit vom Wetter und Klima extrem abhängig. Zwar komme der Südwesten innerhalb Deutschlands noch einigermaßen gut weg. So haben wir die Trockenjahre 2018/19/20 noch relativ gut überstanden, wie man dies im Dürreatlas des Helmholtz-Instituts (https://www.ufz.de/index.php?de=37937) gut sehen könne. Auch habe man sich bisher auf die Veränderungen einstellen können. Heute sind in der Bodenseeregion 70% der Obstanlagen mit Netzen geschützt, Frostschutzbewässerung hilft gegen plötzlich auftretende Frosttage. Allerdings kann bisher nur ein kleiner Teil der Sonderkulturfläche bewässert werden.Trotzdem müsse man außer Risikominimierung auch die Weiterentwicklung von Produktionsverfahren und angepassten Züchtungen betreiben und Strategien entwickeln, wie CO2 eingespart werden können.

Die Landwirtschaft im Südwesten sei ja noch recht vielfältig und hebt sich stark von der großbetrieblichen Landwirtschaft im Norden und Osten unserer Republik ab. Trotzdem müsste der Boden durch Humusbildung verbessert werden. Diese könnten Wasser besser halten und bereiten den Boden so auf, dass die Pflanzen insgesamt resilienter sind.  Dabei gehen konventionelle und ökologische Landwirtschaft immer weiter aufeinander zu. 

Markus Knösel vom Rengohof prägte dafür den Begriff der „Agrarkultur“ als ein gesundes Gleichgewicht auf Basis einer Kreislaufwirtschaft.

Kritisiert wurde die Politik. Die gesetzgeberischen Vorgaben und Verordnungen seien immer strenger. Die dadurch notwendigen Investitionen lassen sich nicht auf den Verbraucher umwälzen. Getätigte Investitionen werden durch schnelle Abfolgen veränderter Vorgaben teilweise obsolet oder müssen durch neue Investitionen angepasst werden. Dem Landwirt wird keine Planungssicherheit gegeben.
Darüber hinaus besteht bei den Landwirten die Furcht, dass die Menge der Vorgaben und der dadurch gegebenen Einschränkungen dazu führen, dass schlussendlich nur noch die Vorgaben übrig bleiben, nicht aber die Landwirte.

Die „Sustainable Use Regulation“ (SUR, ein von der EU-Kommission präsentierter Entwurf, soll die Ziele der Farm2Fork Strategie in einen rechtlichen Rahmen gießen), sieht vor, pauschal die eingesetzte Pflanzenschutzmenge um 50% zu reduzieren. Dies, ohne die Effizienz des jeweiligen Wirkstoffs und die Vorleistungen der Mitgliedstaaten zu berücksichtigen. Etliche landwirtschaftliche Organisationen sprechen sich dafür aus, die SUR vor dem Beschluss einer wissenschaftlich fundierten Folgen- und Umsetzbarkeitsabschätzung zu unterziehen. In dem Zusammenhang sagt Mayer: Jeder Hof der zumacht wird nie wieder geöffnet werden – egal ob ökologisch oder konventionell. Auch der ungehinderte Flächenverbrauch wurde angesprochen, z.B. durch Flächen-PV. Warum werden nicht erst alle öffentlichen Dächer, Autobahnen und Parkplätze damit belegt?

So gesehen ist der Erhalt und die Pflege unserer landwirtschaftlichen Flächen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Landwirte selber können ihren fachlichen Beitrag liefern. Sie stellen sich auch vermehrt dem Wettbewerb durch direkten Verkauf über Hofläden. Allerdings sei dies kein leichtes Geschäft. Der Rengohof in Überlingen hat seit etlichen Jahren eine gut ausgebaute Direktvermarktung. Trotzdem sei es eine gewaltige Aufgabe. Der Kunde zieht es häufig vor, lieber konzentriert in großen Märkten einzukaufen.
Positiv beantwortete Dr. Gabele die Frage, ob und wie unsere hiesige Landwirtschaft die Anpassung an die Folgen des Klimawandels auch in den nächsten Jahrzehnten bewältigen können damit, dass unsere Ertragsstabilität insbesondere durch die Pflanzenzüchtung noch wesentlich gesteigert werden könne.